Interview mit Bischof Wolfgang Ipolt

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Interview in der Lausitzer Rundschau → vom 9. August 2018 von Benjamin Lassiwe:

Das katholische Bistum Görlitz wächst dank Zuzug vieler Menschen aus dem Nachbarland.

Von Benjamin Lassiwe

Während überall sonst in Deutschland die Kirche Mitglieder verliert, gab es 2017 in der Lausitz gut 200 Katholiken mehr als im Jahr zuvor. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit dem katholischen Bischof Wolfgang Ipolt.

Bischof Ipolt, überall in Deutschland schrumpft die katholische Kirche. Nur in der Lausitz nicht: Das Bistum Görlitz ist neben dem Erzbistum Berlin das einzige katholische Bistum in Deutschland, das im vergangenen Jahr um knapp 200 Gemeindeglieder gewachsen ist. Woran liegt das?

Bischof Über dieses Wachstum freue ich mich natürlich sehr. Aber es ist nicht durch mein Wirken als Bischof zustande gekommen, dass unser Bistum wächst, sondern durch den Zuzug aus Polen. In den letzten zwei, drei Jahren verzeichnen wir einen deutlichen Zuzug von jungen Familien: Das geschieht hier im Görlitzer Raum, aber auch in Brandenburg, etwa in der Pfarrei Guben. Dort haben mittlerweile 50 Prozent der Katholiken polnische Wurzeln. Als katholische Kirche müssen wir da vor allem der Europäischen Union dankbar sein: Denn ohne die guten Arbeits- und preiswerten Wohnmöglichkeiten hätten wir die jungen Menschen nicht bei uns in der Region.

Was heißt das konkret für die Pfarrseelsorge? Müssen katholische Priester in der Lausitz jetzt Polnisch können?

Bischof Wir haben ja einige Mitbrüder, die die Sprache können, weil sie selbst aus Oberschlesien stammen. Das ist aus meiner Sicht zunächst ausreichend. Aber wir sollten darauf achten, wie wir die jungen Familien aus Polen in unseren Gemeinden willkommen heißen.
Denn wer aus Polen stammt und zum ersten Mal in eine Pfarrgemeinde hier in Brandenburg und Ostsachsen kommt, fühlt sich sicher etwas fremd: Unsere Art, Katholische Kirche zu leben, ist anders als in Polen.
Die Menschen brauchen deswegen Ansprechpartner, die ihnen helfen, in die Gemeinden hineinzukommen und anzudocken.

Ein großer Schwerpunkt für das Bistum war in den vergangenen Monaten die Wiederbesiedelung des Klosters Neuzelle. Wo stehen Sie da, einen Monat vor der Eröffnung?

Bischof Da sind wir gut vorangekommen. Wir haben vereinbart, dass die nächsten Schritte der Klostergründung vom Ministerium, vom Abt vom Heiligen Kreuz und von mir am 27. August der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Zunächst einmal werden die sechs Mönche, die nach Neuzelle kommen, für eine längere Zeit im Pfarrhaus wohnen. Auf jeden Fall wird am 2. September während unserer Bistumswallfahrt das Priorat der Zisterzienser errichtet werden.

Ist denn schon geklärt, was die sechs Mönche in Neuzelle machen werden?

Bischof Zunächst einmal mussten wir klären, welche Aufgaben das Kloster für das Bistum machen soll: Zwei der vier Mönche, Pater Simeon und Pater Kilian, werden in der Seelsorge für Neuzelle und Umgebung tätig werden. Dafür erhalten sie dann natürlich ein Gehalt vom Bistum. Die übrigen Mönche teilen sich verschiedene Aufgaben, die in der klösterlichen Gemeinschaft anfallen. Zwei von ihnen, Frater Aloysius und Frater Alberich, der ja ein gebürtiger Senftenberger ist, sind keine Priester, und Frater Isaak wird jetzt im August erst zum Diakon geweiht. Das Entscheidende, was die Mönche alle miteinander tun, ist aber an erster Stelle die Feier des Stundengebets zu den verschiedenen Zeiten des Tages. Dies ist ihr wichtigster Dienst.

Was wünschen Sie sich denn insgesamt von der Neugründung?

Bischof Ich hoffe, dass die kleine Gemeinschaft ein Ort wird, der eine „geistliche Tankstelle“ für das ganze Bistum ist, von dem spirituelle Impulse für das Bistum ausgehen. Die Mönche sollen ja in der Regel nicht in die Gemeinden fahren, sondern sie sollen vor Ort sein und andere Menschen einladen, den Glauben an Gott kennenzulernen, beten zu lernen. In dieser Hinsicht kann ich mir gut vorstellen, dass es ein regelmäßiges Angebot  zum Beispiel für Jugendliche in Neuzelle gibt.

Aber als Bischof möchte ich auch erst einmal sehen, welche Begabungen und Ideen die Mönche selbst mitbringen. Wir als Bistum wollen der Gemeinschaft bei ihrem Entstehen helfen und sie unterstützen – aber wir sollten auch offen sein für ihre Ideen und Möglichkeiten. Das Entscheidende jedenfalls ist ihre Präsenz und das treu durchgehaltene Gebet.

Das wird unserem Bistum gut tun – aber auch vielen Menschen, die in Brandenburg mit Gott und der Kirche nichts mehr zu tun haben. Ich wünsche vor allem den Mönchen, die jetzt diesen Start wagen, viel Mut, Zuversicht und Durchhaltevermögen. Wenn sie das haben, wird das auch ausstrahlen.

Mit Bischof Wolfgang Ipolt
sprach Benjamin Lassiwe