„Wie Mönche aus dem Wiener Wald in der Mark ein Kloster bauen“

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Artikel vom 28. August 2018 in der Berliner Morgenpost → von Katrin Starke:

80 Prozent der Brandenburger glauben nicht an Gott. Trotzdem wollen österreichische Mönche ein neues Kloster in der Mark errichten.

Potsdam/Neuzelle.  Rund 80 Prozent der Brandenburger fühlen sich keinem Glauben mehr zugehörig. Das allerdings schreckt die Mönche der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz im Wienerwald in Österreich nicht. Sie wollen in der märkischen Sandbüchse feste Wurzeln schlagen, eine „spirituelle Oase der Begegnung mit Gott und den Menschen untereinander“ schaffen. Vor einem Jahr sandte das Stift eine vierköpfige Vorhut zum Kloster Neuzelle (Landkreis Oder-Spree) zum „Probeleben“ aus. Ausdrücklich eingeladen hatte sie Wolfgang Ipolt. Der Görlitzer Bischof, dessen Bistum mit 29.000 Katholiken auf 10.000 Quadratkilometer Fläche die zahlenmäßig kleinste der 27 deutschen Diözesen ist, hofft auf eine Belebung des Wallfahrtortes in der Mark.

Vom Markgrafen von Meißen 1268 gründet, wurde das Kloster Neuzelle 1817 von Preußen verstaatlicht. Heute ist die Anlage mit zwei Barockkirchen, spätgotischem Kreuzgang und barockem Klostergarten Eigentum der Stiftung Stift Neuzelle. Seit Anfang der 90er-Jahre flossen mehr als 50 Millionen Euro von Land, Bund, Europäischer Union und privaten Spendern in die Sanierung des „Brandenburger Barockwunders“. Am kommenden Sonntag werden nun sechs Mönche offiziell ein Priorat, kirchenrechtlich die Vorstufe eines Konvents, in Neuzelle gründen. Das verkündete der Abt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz, Maximilian Heim, in Potsdam. „Für uns ist das ein historisches Ereignis“, sagt der Abt – auch wenn es mittlerweile die zehnte Neugründung seines Stifts seit dem Mittelalter ist.

Stift will neues Kloster erbauen

Anders als bislang geplant werden die Mönche aber nicht in der Barockanlage leben: Das Stift will ein neues Kloster im Umfeld bauen. Noch vor wenigen Wochen hatten die Heiligenkreuzer sowie auch Brandenburgs Kulturministerin und Neuzeller Stiftungsratschefin Martina Münch (SPD) den ehemaligen Kanzleibau des Klosters als dauerhafte Bleibe der Mönchsgemeinschaft favorisiert. Bis 1993 war dort ein Priesterseminar der ostdeutschen Diözesen untergebracht, aktuell sind es die Forstverwaltung und eine private Musikschule.

Letztere zeigte sich von der Aussicht auf einen Auszug jedoch wenig begeistert, was Abt Maximilian verstehen kann. „Kunst und Kultur sind hier gewachsen. Das ist auch für uns wertvoll“, sagt er. Man wolle den vorhandenen Einrichtungen „nicht ihr Heimatrecht nehmen“. Laut Ministerin Münch habe die Frage der Umquartierung der Musikschule beim Umschwenken der Mönche aber keine Rolle gespielt. Das betont auch Pater Kilian Müller. Seit einem Jahr lebt der gebürtige Hesse mit seinen Mitbrüdern im katholischen Pfarrhaus auf dem Gelände.

Abt Maximilian sucht nach Ort für das Kloster

Der studierte Betriebswirt ist für die ökonomischen Belange der Heiligenkreuzer in Neuzelle verantwortlich. „Finanzielle Gründe sprechen für einen Neubau“, sagt der 41-Jährige. „Private wie institutionelle Geldgeber tun sich wesentlich leichter, in Klostereigentum zu investieren als in ein staatliches Gebäude, für das ein Nutzungsentgelt anfallen würde.“ Positiv sei auch, dass bei einem Neubau keine Auflagen von Denkmal- und Ensembleschutz beachtet werden müssten. „So können wir unsere Gestaltungsideen frei umsetzen.“ Auch die Energieeffizienz sei bei einem Neubau deutlich günstiger als bei einem Barockgebäude. Zudem biete ein Neubau die Möglichkeit, weiter zu wachsen und Gäste zu beherbergen.

Wie teuer das Bauvorhaben wird, kann Pater Kilian noch nicht abschätzen. Denn: Noch fehlt eine geeignete Liegenschaft. Die solle sich auf jeden Fall im Umfeld des alten Klosters befinden. „Gerade dadurch können und werden wir auch weiterhin im Pfarrhaus von Neuzelle, in der Wallfahrtsseelsorge und im schulischen Dienst präsent sein und bleiben“, erklärt Abt Maximilian. Als größter Flächeneigentümer vor Ort will das Land die Mönche bei der Suche unterstützen. Finanzielle Hilfe für den Bau des Tochterklosters haben zudem der Görlitzer Bischof und das Bonifatiuswerk versprochen.